Neuheiten Kühl- und Trinkwassersysteme

PKA

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Anforderungen an Kühlsysteme nach Stillständen

  • Gerade die Coronakrise eröffnet für manche Werkleiter die seltene Gelegenheit, Maschinen und Anlagen von Grund auf zu überprüfen und gegebenenfalls zu überholen und zu reinigen.
  • Vorsicht ist dabei insbesondere bei Kühlsystemen geboten: Ein Kühlturm sollte nach einem Stillstand nicht einfach wieder „angefahren“ werden, da die Gefahr einer Verunreinigung mit Legionellen besteht.
  • Daher hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren strengere Hygienevorgaben für den sicheren Betrieb von Kühlanlagen erlassen.

Nach wie vor kommt es in unmittelbarer Nähe von Kühlanlagen zu Infektionen durch Legionellen. Zuletzt Anfang März 2020, als in Dortmund sieben Anwohner einer Produktion erkrankten. In der Regel ist das Kühlwasser als Verursacher schnell ausgemacht. Denn das erwärmte Wasser bietet gute Bedingungen für mikrobielles Wachstum. Gelangen Aerosole in die Luft, die mit Legionellen verunreinigt sind, können sich Mitarbeiter oder sogar Anwohner durch das Einatmen der Wassertröpfchen schnell infizieren. In Deutschland gehen Fachleute von 15’000 bis 30’000 Legionärskrankheiten pro Jahr aus. Davon gehen jedoch nicht alle Fälle auf Kühlsysteme zurück. Vielfach sind verunreinigte Trinkwassersysteme beispielsweise in Hotels, Alters- und Pflegeheimen, privaten Wohnungen oder öffentlichen Bädern die Verursacher.

Da eine Legionellose schnell tödlich ausgehen kann, waren die zahlreichen Vorfälle für den deutschen Gesetzgeber der Anlass, strenge Massnahmen für den Betrieb von Kühlanlagen vorzuschreiben. Den Stand der Technik für den hygienisch sicheren Betrieb von Verdunstungskühlanlagen beschreibt die VDI 2047, die im Januar 2015 veröffentlicht wurde. Diese Vorgaben gingen in die 42. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) ein und wurden dort teilweise noch verschärft. Seitdem gilt in Deutschland eine Registrierungspflicht für Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider. Altanlagen müssen spätestens bis zum 19. August 2022 erfasst worden sein. Zudem ist die regelmässige Überprüfung der Anlagen absolute Pflicht, Auffälligkeiten müssen der Aufsichtsbehörde gemeldet werden.

Die 42. BImSchV stellt klar, dass Kühltürme „so auszulegen, zu errichten und zu betreiben“ sind, dass „Verunreinigungen des Nutzwassers durch Mikroorganismen, insbesondere Legionellen, nach dem Stand der Technik vermieden werden“. Darüber hinaus sind auch für den laufenden Betrieb zahlreiche Sicherungsmassnahmen hinsichtlich der Kühlturmhygiene vorgeschrieben: So sind Vorkehrungen für die regelmässige Überprüfung „relevanter chemischer, physikalischer oder mikrobiologischer Parameter“ zu treffen. Ebenso sind Betreiber verpflichtet, regelmässig Proben für mikrobiologische Untersuchungen zu ziehen, bei denen die Koloniezahl von Keimen und die Konzentration von Legionellen im Nutzwasser ermittelt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen müssen in einem Anlagenbuch dokumentiert werden, wie auch die entsprechenden Betriebsdaten und die ergriffenen Massnahmen. Wird bei den Untersuchungen eine Überschreitung der zulässigen Massnahmenwerte festgestellt, ist unverzüglich die zuständige Behörde zu informieren.

Sollte ein Prüfwert entscheidend überschritten sein, gibt es mehrere Sofortmassnahmen. Oft zählt jeder Tag, denn ein Produktionsausfall durch verunreinigte Kühlsysteme kann teuer werden. Deshalb ist die Erfahrung und das Know-how besonders wichtig, beispielsweise im sicheren Umgang und mit der optimalen Dosierung von Chemikalien und Desinfektionsmitteln. Mangelnde Qualität wird für Mitarbeiter und die betriebsnahen Anwohner schnell zu einer lebensbedrohlichen Gefahr.

Auch für die Wiederinbetriebnahme einer Kühlanlage gibt die 42. BImSchV detaillierte Verfahrensanweisungen. So sollte ein Kühlturm nach einem Stillstand nicht «einfach wieder angefahren“ werden. Das ganze Jahr über gelangen viele Pollen und Staub in die abgeschalteten Kühlanlagen und bilden einen idealen Nährboden für Mikrobiologie. Daher sollten Betreiber nun besonders vorsichtig sein und streng auf die Einhaltung der Vorgaben achten. Zunächst ist „eine Gefährdungsbeurteilung unter Beteiligung einer hygienisch fachkundigen Person“ zu erstellen. Diese Massnahme umfasst eine Risikoanalyse, die mögliche Gefährdungen identifiziert, und eine Risikobewertung, „die Risiken hinsichtlich potenzieller Auswirkungen auf die hygienische Sicherheit“ priorisiert. Die Ergebnisse dieser Beurteilungen sind gleichfalls im Betriebstagebuch zu dokumentieren. Innerhalb von vier Wochen nach der Wiederinbetriebnahme ist eine erste Laboruntersuchung des Nutzwassers durchzuführen – dann gefolgt von den Untersuchungen, die für den regelmässigen Betrieb der Kühlanlage vorgeschrieben sind.

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